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Verloren in der kasachischen Steppe     

Der Bus fuhr weiter Richtung Steppe. Und er wurde auch nicht langsamer. Mit 70 Sachen bog er in die endlosen weiten der kasachischen Steppe ab. Was hatte ich mir da nur eingebrockt. Ich versuchte Schritt zu halten. Aber es war fast unmöglich. Das Gelände war unwegsam und überall Sand.

Nach diversen fast Stürzen erwischte es mich dann nochmal. So, genug. Ersteinmal lies ich ordentlich Luft aus den Reifen für mehr Grip. Die Benzinkanister wanderten in den Bus. Nur noch die Alukoffer hingen an der Alp. Das sollte sich noch als Fehler erweisen. Die Kanister, die auf den Fußrasten standen und fest an die Alukoffer fixiert waren, stabilisierten diese enorm. Ohne schwangen die Kisten bei jeder Bodenwelle mit. Und davon gab es nicht wenige. Das Tempo, das der Bus vorlegte, trug sein übriges bei. Dieser dynamischen Belastung konnte der Kofferträger nicht standhalten und brach. Ich weiß nicht wie lange ich mit seitlich hängendem Koffer gefahren bin, aber irgendwann fiel es mir auf. Na toll. Ich blieb stehen und sah den Bus mit meinen restlichen Sachen hinter dem nächstem Hügel in seiner Staubwolke verschwinden.

Ich stand mitten im Nirgendwo mit kaputtem Träger. Ich befestigten den Koffer der kaputten Seiten auf der Rückbank und fuhr weiter. Der Bus samt Insassen wartete auf der nächsten Anhöhe. Wir verluden die Alukoffer im Bus und ich fuhr ohne jegliches Gepäck durch die Steppe. Das war herrlich.

Der ganze Trip dauerte 5 Stunden für 200km. Dann kamen wir in einem kleinem Dorf an. Der Fahrer lud alle Fahrgäste ab und gab mir zu verstehen zu folgen. Er fuhr außerhalb des Dorfes und blieb mitten im Feld stehen. Ich ahnte nichts Gutes und malte mir schon die wildesten Horrorszenarien aus. Aber er breitete eine Decke aus, stellte 2 Bier hin und entrollte einen in Zeitung eingewickeltem fertig gegrillten Fisch.

Nach dieser Stärkung machte er mir klar, dass ich bei ihm nächtigen solle und er den Träger schweissen würde. An seinem Haus angekommen begrüßte mich seine Familie. Ich wurde ins Wohnzimmer geführt, wo ich auf traditionellen Decken auf dem 40 Zoll LCD Fernseher Nachrichten schauen sollte, bis das Essen fertig war.

Es gab sogar Handynetz. Ich checkte meine Koordinaten doch kein Internetkartendienst konnte mir mehr zeigen als nichts. 200km um mich war rein gar nichts :-D Vor dem Essen wurde noch mein Träger geschweisst und das Motorrad mit Kettenfett und abvibrierten Muttern auf Vordermann gebracht.

Dann gabs Essen und ordentlich Wodka dazu. Duschen konnte ich auch. Neben der Kuh. Das Wasser kam aus einer großen Milchkanne. Abenteuer pur. Mittlerweile konnte ich auch meine Zehen untersuchen. Grün und blau waren 2. Ich glaube nicht, dass sie gebrochen sind. Lediglich geprellt oder gequwetscht :-D Weh tats trotzdem.

Nach einer Nacht auf dem Boden auf einem Traditionellem Tuch (ohne meine Schlafsack wäre es ohne Decke gewesen) wachte ich halbwegs erholt am morgen auf. Nach dem Frühstück mit selbstgemachter Butter und Tee brachte mich der Hausherr noch die 100km bis zu einer Straße, der ich folgen konnte. Alles vorher waren nur Schleichwege durch die Steppe und ich hätte nie den richtigen Weg gefunden.

3 Comments

  1. Nacho

    So in etwa stelle ich mir eine derartige Reise vor.
    Klasse geschichten, weiter so.
    Das Bild ist übrigens auch klasse

  2. Daniel

    Über das Transalp Forum auf deine Seite gestossen und in kurzer Zeit deine Berichte verschlungen. Glaube, es sind grade diese Erfahrungen, an die du dich ein Leben lang erinnern wirst.
    Viel Erfolg bei der weiteren Tour. Ein Stückchen hast du ja noch vor dir. Ich freue mich auf weitere Tourenabschnitte zum „mitlesen“
    VG

  3. Biggi

    Nun wird es abenteuerlich! o_O
    Weiterhin viel Glueck und alles Gute!

    LG Biggi

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