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Die russische Grenze und die Architekten     

Ich hatte innerlich beschlossen jetzt möglichst schnell in fremdartigere Länder zu kommen als die Ukraine. Also gings auf einer 4 spurigen Straße Richtung Azowsches Meer.

Das Wetter war grau in grau und durch die vorherige Aktion war ich klitsch nass geschwitzt. Es wurde also leicht unangenehm und kalt unter der Kombi. Ich suchte nach einer Tankstelle mit Frühstücksbuffet und wärmte mich dort bei einer ukrainischen Teigware und Kaffee auf. Dabei merkte ich auch wie unangenehm ich eigentlich roch :-D Heute Abend musste eine Dusche her. Allein um nicht krank zu werden.

Kurz vorm Meer und nach relativ wenigen Tageskilometern gings in ein Motel und ich duschte erstmal ausgiebig. Das tat gut. Als abschluss des Tages gabs Landestypisches Fernsehen: Twilight^^ Dabei wurde ich so müde, dass ich schnell einschlief.

Ich wachte in der früh auf und konnte mich noch wage an einen Alptraum von einer russischen Grenzkontrolle erinnern. Na hoffentlich lief das heute gut. Ich fuhr an der "Küstenstraße", die 2km von der Küste entfernt war, zur Grenze.

Zwischendurch hielt ich an einem verstecktem Restaurant. Ich wollte noch ein paar Scheine der ukrainischen Währung verbraten. Ich ging mit Zeigewörterbuch und russischem Reisewörterbuch bewaffnet hinein. Ich war der einzigste Gast. Die Besitzerin war freundlich und wir erörterte über dem Zeigewörterbuch, in dem 550 Bilder für Weltenbummler sind (Über Hotelzimmerbuchung bis eben auch Essen) was es alles gab. Ich entschied mich für Fisch mit Kartoffeln und dazu einen Salat, wenn ich schon mal so nah am Meer bin.

Gestärkt gelangte ich dann schnell zur Grenze. Bei der Ausreise aus der Ukraine lief alles gut. Die ganze Manschaft stand um mein Motorrad und einer von ihnen, der Englisch konnte, spielte den Dolmetscher. Wo gehts hin? So weit? Oh mein Gott. Viel Glück. Usw. Mit dieser positiven Stimmung fuhr ich zur russischen Kontrolle. An den LKWs drängelte ich mich vorbei und ein Grenzer fragte an der ersten Schranke nach dem Zettel den man vorher ausfüllen muss. Die LKWs hatten die Tafel mit der Information verdeckt... Ich blockierte die Einfahrt zur Grenzstation. Vorwärts gings nur mit Zettel und rückwärts war ich von einem LKW eingesperrt worden^^ Unter ärgerlichen Blicken stieg ich ab, lief zurück, füllte den Zettel aus und kam an der ersten Schranke vorbei.

Weiter zur Passkontrolle. Diese lief ohne Probleme. Hatte die Visum-Gesellschaft, bei der ich alle Visa in Auftrag gegeben hatte, doch gute Arbeit geleistet. Jetzt kam der für mich persönlich beste Teil. Zollerklärung. Ich bekam zwei gleiche Zettel auf schlechtem Deutsch, auf denen ich Angaben zum Motorrad und allen Wertsachen machen sollte. Das Beste daran war eben aber, dass der Beamte mich an eine Infotafel führte an dem ein Muster hing. Ich sollte alles genau so ausfüllen, wie auf dem Muster. Kein Geld, keine Wertsachen. Auf gut deutsch alles verneinen bis auf die Angaben zum Fahrzeug.

"Ist es nicht zu kalt hier für Rosenheimer?" hörte ich plötzlich hinter mir. Ich drehte mich um und fragte den Mann zurück, ob er auch Deutscher sei. Ja, er reist zusammen mit seiner Frau und Hund auf den Spuren der Seidenstraße, in einem selbstaufgebautem Wohncamper, der auf Offroad getrimmt war.

Wir unterhielten uns über die Formalitäten an der Grenze und ich fragte nach den Routenplänen der nächsten Tage. Zufälligerweise waren unsre Routen identisch. Ich fragte, ob ich mich ein, zwei Tage anschließen könne. Die Frage wurde freundlich bejaht. Endlich nicht mehr alleine Reisen. Nach überstandener letzter Kontrolle war nach 15 Minuten alles vorbei. Die russische Grenze hatte ich mir schlimmer vorgestellt. Von kyrillischem Zettelwirrwarr, bis Bestechungsgeldern. Wieder ein Vorurteil widerlegt.

Rainer, Margrit, ihr Hund Chacka und ich tranken danach an einer Grenzbude noch einen Kaffee zusammen und lernten uns kennen. Sie sind auch Motorradfahrer und früher oft damit in Wüstenregionen unterwegs gewesen. Ich erzählte von meinen bisherigen Erfahrung auf der Reise und sie von ihren.

Danach fuhren wir noch einige 100 Kilometer. Sie voran und ich hinterher. Am Abend suchten wir uns gemeinsam einen Lagerplatz. Der Feldweg machte mir zwar irgendwie Angst, aber ihr Camper hatte Allradantrieb. Sie würden mich schon rausschleppen, wenn es nachts regnen sollte. Zusammen aßen wir Suppe und Brot im Bus und ich erzählten von meinen Plänen für Wolgograd. Dass ich dort bei jemandem unterkomme, den ich über die online Plattform Couchsurfing gefunden hatte, auf der man seine "Couch" anderen kostenlos zur verfügung stellen kann und man dafür auch kostenlos bei jemand anderem schlafen kann. Beide hatten noch nie etwas davon gehört und waren von der Idee begeistert. Ob es möglich wäre, dass sie sich anschließen könnten und duschen und ihr schmutzigen Sachen waschen könnte, wusste ich nicht, aber wir wollten einfach mal hinfahren und fragen. Nach weiteren Geschichten ging es um halb 1 Uhr nachts Ortszeit ins Bett.

 

 

 

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